Microgreens und Permakultur, Ethik: Sorge für die Erde, die Menschen und gerechtes Teilen
Hallo! Ich bin Ola – und freue mich sehr, meinen ersten Artikel für den MP SEEDS Blog zu schreiben!
Vielleicht kennt mich der ein oder andere als die Stimme hinter unseren E-Mails, WhatsApp-Nachrichten oder Telefonaten. Doch neben dem Kundenservice und Vertrieb schlägt mein Herz vor allem für die Natur – und ganz besonders für Permakultur.
Ich arbeite bei MP SEEDS, weil ich fest daran glaube, was wir hier tun.
Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, wie Microgreens und Permakultur miteinander verbunden sind – und warum diese Verbindung so wichtig ist.
Inhaltsverzeichnis:
- Permakultur-Ethik und Fair-Share-Landwirtschaft
- Nachhaltiger Anbau von Microgreens
- Sorge für die Erde = Ressourcen schonen & Effizienz steigern
- Sorge für die Menschen = Wohlbefinden individuell & gemeinschaftlich fördern
- Gerechtes Teilen = Zugang, Bildung & Ernährungsgerechtigkeit
- Fazit
1. Permakultur-Ethik und Fair-Share-Landwirtschaft
Wir beginnen mit den Grundlagen – was genau ist Permakultur?
Kurz gesagt: Permakultur ist eine Designphilosophie, die sich an natürlichen Ökosystemen orientiert, um nachhaltige und autarke Nahrungsmittelsysteme zu entwickeln.
Sie wurde in den 1970er-Jahren von Bill Mollison und David Holmgren in Australien entwickelt – als Reaktion auf die negativen Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft auf Umwelt und Gesellschaft. Ziel ist es, regenerative, langfristig funktionierende Lebensmittelsysteme zu fördern.
Mollison und Holmgren formulierten drei ethische Grundprinzipien, die als Kompass für alle dienen, die Permakultur als Gestaltungsansatz nutzen möchten. Diese Werte sind inspiriert von indigenem Wissen, ökologischer Wissenschaft und ihrer gemeinsamen Vision einer besseren, gerechteren Welt.
Sorge für die Erde
Dieser erste Wert wird als Fürsorge für den Planeten verstanden – durch den Schutz natürlicher Systeme, die Regeneration des Bodens, den Erhalt der Biodiversität und die verantwortungsvolle Nutzung von Ressourcen.
Diese Prinzipien lassen sich auf vielfältige Weise in die Praxis umsetzen.
Ein einfacher und wirkungsvoller Schritt ist das Kompostieren sowie die Verwendung organischer Düngemittel, um Nährstoffe auf natürliche Weise zurückzuführen.
Auch der Ansatz des No-Till-Farmings (Anbau ohne Umgraben) trägt dazu bei, die Bodenstruktur zu erhalten, das mikrobielle Leben zu schützen und Kohlenstoffemissionen zu reduzieren.
Die Agroforstwirtschaft, also die Integration von Bäumen und Sträuchern in Ackerflächen, fördert die Biodiversität, schützt den Boden vor Erosion und schafft Lebensraum für nützliche Pflanzen und Tiere.
Weitere wirksame Maßnahmen sind die Regenwassersammlung sowie eine effiziente Bewässerung, etwa durch Tröpfchensysteme, um Wasser gezielt und sparsam einzusetzen.
Sorge für die Menschen
Diese Ethik stellt das menschliche Wohlbefinden in den Mittelpunkt, indem sie den Zugang zu Nahrung, Unterkunft, Gemeinschaft und Bildung sichert. Im Fokus stehen Mitgefühl, Zusammenarbeit und die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse auf faire und umweltfreundliche Weise.
Es gibt viele Wege, dieses Prinzip in der heutigen Landwirtschaftspraxis umzusetzen. Einige Beispiele:
🌱 Zugängliche urbane Gärten, die gemeinschaftliches Gärtnern ermöglichen und lokale Versorgung fördern
🌱 Fair-Share-Farmen, die transparent und solidarisch wirtschaften
🌱 Ethische Arbeitsbedingungen, die soziale Gerechtigkeit entlang der Lieferkette stärken
🌱 Vertrauensaufbau zwischen Erzeugern und Verbrauchern, z. B. durch direkte Vermarktung oder transparente Herkunftskennzeichnung
Gerechtes Teilen
Diese Idee wird oft als „Rückgabe des Überschusses“ bezeichnet.
Dabei geht es darum, überschüssige Ressourcen – wie Zeit, Energie, Lebensmittel oder Geld – gerecht umzuverteilen, um sowohl die Sorge für die Erde als auch für die Menschen zu unterstützen. Dieses Prinzip fördert bewusste Grenzen für Konsum und Wachstum, damit alle – auch zukünftige Generationen – gedeihen können.
Hier einige praktikable Ansätze für Landwirt:innen, um dieses Prinzip in der modernen Landwirtschaft umzusetzen:
🌾 Aufbau von Nahrungsmittelverteilungsprogrammen zur Unterstützung Bedürftiger
🌾 Gründung von Genossenschaften oder Beteiligung an lokalen Netzwerken zur fairen Lebensmittelproduktion
🌾 Engagement in der Slow-Food-Bewegung, die Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit über industrielle Massenproduktion stellt
2. Nachhaltige Microgreens-Zucht
Klingt gut in der Theorie, oder?
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Wie lässt sich das konkret auf den Anbau von Microgreens anwenden?
Große Ideen können überwältigend wirken – aber sie sind dazu da, uns in kleinen Schritten zu leiten. Natürlich wäre es schön, einfach alles stehen und liegen zu lassen und in eine Höhle zu ziehen – aber so funktioniert das tägliche Leben nun mal nicht.
Was zählt, ist der Versuch, eine kleine Sache zu verändern – Schritt für Schritt.
Lassen Sie uns also gemeinsam tiefer eintauchen: in die vielen kleinen und großen Möglichkeiten, mit Microgreens einen Beitrag zu einer grüneren, nachhaltigeren Welt zu leisten – ganz gleich, ob im kleinen, zu Hause oder im größeren Maßstab.
3. Sorge für die Erde = Ressourcen reduzieren + Effizienz steigern
Die Permakultur-Ethik der Sorge für die Erde betont den achtsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen und die Erhaltung unserer Umwelt. Der Anbau von Microgreens lässt sich ideal mit diesem Prinzip verbinden.
Minimaler Ressourcenverbrauch
Für den Anbau von Microgreens zu Hause braucht es erstaunlich wenig – etwas Wasser, ein bisschen Energie und eine kleine Anbaufläche. Meine Anzuchttabletts beanspruchen zum Beispiel gerade einmal die Hälfte meines Esstischs – mehr als genug für den Eigenbedarf, und ich kann meine „grünen Babys“ beim Arbeiten beobachten.
Mat hat seine Microgreens früher sogar in einer Schuhschublade gezogen (Karo erinnert sich sicher noch an das seltsame violette Licht, das nachts aus dem Schrank schimmerte).
Die Verwendung nachhaltiger Anzuchtsubstrate wie Kokosfaser oder Kokosmatten trägt zusätzlich dazu bei, die Umweltbelastung gering zu halten – ein kleiner, aber bedeutender Beitrag im Sinne der Permakultur.
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Reduzierte Lebensmittelkilometer
Durch den lokalen Anbau von Microgreens sinkt die Abhängigkeit von weit gereisten Frischprodukten. Das reduziert nicht nur CO₂-Emissionen aus dem Transport, sondern ermöglicht auch einen deutlich frischeren Konsum. Viele unserer Kunden liefern ihre Microgreens sogar direkt bis an die Haustür – frischer geht’s kaum!
Abfallreduzierung
Der Anbau von Microgreens zu Hause ermöglicht es, exakt die Menge zu ernten, die benötigt wird – ganz ohne Überproduktion oder Verderb. Da Microgreens mühelos in kleinen Chargen angebaut werden können, genießen Sie stets frisches Grün ohne unnötige Reste. Und das Beste: Pflanzenreste lassen sich einfach kompostieren und in nährstoffreiche Erde für zukünftige Ernten verwandeln – ein geschlossener, nachhaltiger Kreislauf.

Zwiebel Barbara, angebaut auf meinem Balkon.
Effiziente Produktion
Der kommerzielle Anbau von Microgreens ermöglicht hohe Erträge auf minimaler Fläche – eine effiziente Nutzung von Ressourcen bei gleichzeitigem Schutz natürlicher Lebensräume. Microgreens gedeihen auch auf engstem Raum: Ein wenig Wasser, Licht (ob Sonne oder LED) und regelmäßige Pflege genügen. Selbst kleinste Indoor-Gärten können beeindruckend produktiv sein. Klingt erstaunlich? Ist es auch – nachhaltige Ernährung beginnt im Kleinen.
Anbau unabhängig von Wetter und Jahreszeit
Microgreens lassen sich ganzjährig anbauen – unabhängig von Klima oder Saison. Gerade in Regionen mit langen, kalten Wintern ist das ein enormer Vorteil. Ob auf der Fensterbank, im Indoor-Grow-System oder im Gewächshaus: Die kontrollierten Bedingungen ermöglichen konstante Ernten und eine zuverlässige Versorgung mit frischem Grün – völlig wetterunabhängig. So wird Microgreen-Anbau zur nachhaltigen Lösung für Landwirte und Selbstversorger weltweit.
👉 Neugierig auf weitere Vorteile? Entdecken Sie mehr im Artikel: "Warum sind Microgreens gut für die Umwelt?", und erfahren Sie, wie diese kleinen Pflanzen Großes für unseren Planeten leisten können.
4. Sorge für die Menschen = individuelles + gemeinschaftliches Wohlbefinden
Das Prinzip der ‚Sorge für die Menschen‘ stellt das menschliche Wohlbefinden, die Förderung von Gemeinschaft und die gerechte Verteilung von Ressourcen in den Mittelpunkt. Der Anbau von Microgreens unterstützt dieses Prinzip auf vielfältige und wirkungsvolle Weise
Zugängliche Ernährung
Der Anbau von Microgreens zu Hause ermöglicht es Einzelpersonen und Familien, jederzeit frische, nährstoffreiche Lebensmittel zur Verfügung zu haben – und fördert so Gesundheit und Wohlbefinden. Ein wenig gelbes Popcorn-Mikrogrün hier, ein Zweig Radieschen dort – und schon wird jedes Gericht nicht nur nährstoffreicher, sondern auch optisch zum Highlight!
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Bildungsmöglichkeiten
Kleinbauernhöfe bieten hervorragende Lernchancen – sei es durch eigenes Ausprobieren oder indem man anderen nachhaltige Landwirtschaft und gesunde Ernährung näherbringt. Natalia hat zum Beispiel Starterkits und kindgerechte Anleitungen für den örtlichen Kindergarten vorbereitet. Und tatsächlich – die Kinder haben bereits ihre eigenen Erbsen gezogen! Sprossen stehen als Nächstes auf dem Plan!
Bereitstellung gesunder, lokal produzierter Nahrung
Großflächige Microgreens-Farmen versorgen Städte und benachteiligte Gemeinden mit frischen, erschwinglichen und nährstoffreichen Lebensmitteln. Sie verbessern so den Zugang zu gesunder Ernährung für mehr Menschen. Da Microgreens häufig eine höhere Konzentration an Vitaminen und Mineralstoffen aufweisen als ausgewachsenes Gemüse oder Obst, stellen sie einen besonders wertvollen Beitrag zur täglichen Nährstoffversorgung dar.
Wirtschaftliche Stärkung
Der Anbau von Microgreens kann neue Erwerbsmöglichkeiten schaffen, lokale Wirtschaftskreisläufe beleben und zur Stärkung von Arbeitskräften beitragen. Die Einstiegshürden sind gering – spezielles Fachwissen ist nicht erforderlich. Die notwendigen Kenntnisse lassen sich in kurzer Zeit aneignen, was Microgreens zu einer zugänglichen Chance für unternehmerisch denkende Menschen und Gemeinschaften macht.
5. Gerechtes Teilen = individuelles & gemeinschaftliches Wohlbefinden
Die Ethik des gerechten Teilens zielt auf eine faire Verteilung von Ressourcen ab und stellt sicher, dass alle Menschen Zugang zu lebenswichtigen Gütern haben. Im Kontext des Microgreens-Anbaus zeigt sich dieses Prinzip auf vielfältige und wirksame Weise:
Teilen von Überschussernte
Viele Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner produzieren mehr Microgreens, als sie selbst verbrauchen können. Das Teilen dieses Überschusses ist eine einfache und wirkungsvolle Möglichkeit, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden und andere zu bereichern. Ob mit Freunden (so mache ich es), mit den eigenen Katzen (wie Natalia – ja, wirklich!) oder mit Kolleginnen und Kollegen im Lager – geteilte Microgreens zaubern fast immer ein Lächeln. Ehrlich gesagt, ich kenne niemanden, der bei so einem Geschenk „Nein“ sagt!

Natalias Katze, Kiciuś, genießt Popcorn
Bildung und Wissensaustausch
Indem erfahrene Anbauer ihr Wissen weitergeben, befähigen sie andere dazu, selbst Microgreens zu kultivieren – eine wertvolle Fähigkeit auf dem Weg zu mehr Selbstversorgung. Dieses Wissen stärkt nicht nur Einzelpersonen, sondern auch ganze Gemeinschaften. Viele unserer Kundinnen und Kunden bieten inzwischen eigene Online-Kurse und Webinare an. Auch wir teilen unser Know-how regelmäßig in unserem Blog – und wenn Sie diesen Artikel lesen, sind Sie wahrscheinlich schon mittendrin!
Investition in nachhaltige Praktiken
Die Umsetzung umweltfreundlicher Anbaumethoden senkt die Umweltbelastung und stärkt die Gesundheit unseres Planeten. Wenn größere Anbaubetriebe diese Praktiken mit anderen Produzenten teilen, fördern sie nicht nur branchenweite Nachhaltigkeit, sondern auch eine verantwortungsvolle Entwicklung des gesamten Lebensmittelsystems.
6. Fazit
Letztendlich ist der Anbau von Microgreens mehr als nur eine praktische Methode, um Lebensmittel im Innenraum zu kultivieren – er ist ein kleiner, aber bedeutender Schritt, um die Grundprinzipien der Permakultur zu leben. Ob auf einem großen Hof oder mit nur einem kleinen Tablett in der eigenen Küche: Wer regelmäßig Microgreens pflegt, leistet einen aktiven Beitrag zu einem gesünderen Planeten, stärkeren Gemeinschaften und einem gerechteren Ernährungssystem.
Mit wenig Platz, etwas Aufmerksamkeit und einer Handvoll winziger Samen kann jedes Zuhause zu einem blühenden Garten für frische Lebensmittel und Sinnhaftigkeit werden – voller Microgreens und sogar essbarer Blüten, ganz unabhängig von der Jahreszeit.
Ob Sommer oder Winter, ob Fensterbank oder Gewächshaus: Jede nachhaltige Landwirtschaft beginnt mit einem winzigen Spross.