Einfluss verschiedener LED-Lichtarten auf den Microgreens-Anbau: Wachstum, Gewicht und Mikronährstoffgehalt
Können Pflanzen unter LED-Licht wachsen?
Dank unserer Freundin Lucia Jasenovska und ihrer Studie über Microgreens verfügen wir heute über wertvolle Erkenntnisse zu den Auswirkungen verschiedener Lichtspektren auf unterschiedliche Microgreens-Arten, die wir in diesem Artikel vorstellen möchten.
An dieser Stelle möchten wir dir, Lucia, herzlich danken – für den Einsatz unseres Saatguts, deine experimentelle Arbeit und deinen wertvollen Beitrag zur Microgreens-Community und zum Gartenbau.
Vielen Dank, Lucia!
In diesem Artikel behandeln wir folgende Themen:
- Wie beeinflusst Licht den Anbau von Microgreens im Allgemeinen?
- Warum werden LED-Lampen im Microgreens-Anbau verwendet?
- Wie wurde das Experiment durchgeführt?
- Diagramme mit allgemeinen Ergebnissen
- Einfluss von weißem, blauem und rotem Licht auf das Frischgewicht von Microgreens
- Einfluss von weißem, blauem und rotem Licht auf die Flavonoid- und Anthocyankonzentration in Microgreens
- Einfluss der LED-Lichfarben auf die Konzentration von Farbstoffen, Chlorophyll und Carotinoiden
- Fazit

1. Wie beeinflusst Licht den Anbau von Microgreens im Allgemeinen
Es ist allgemein bekannt, dass Licht das Pflanzenwachstum maßgeblich beeinflusst – das gilt selbstverständlich auch für Microgreens. Unterschiedliche Lichtarten und Beleuchtungsdauern wirken sich auf verschiedene Aspekte des Pflanzenwachstums aus:
- Wachstumsgeschwindigkeit
Je nach Lichtspektrum und Intensität wachsen Pflanzen schneller oder langsamer.
- Nährstoffgehalt
Die Lichtqualität kann den Gehalt an Vitaminen, Antioxidantien und weiteren wertvollen Inhaltsstoffen beeinflussen.
- Stoffwechsel
Licht steuert zentrale Stoffwechselprozesse, einschließlich der Photosynthese.
- Aussehen: Größe, Gewicht, Blattfarbe und Struktur der Pflanzen hängen stark vom eingesetzten Licht ab.
Gerade in Zeiten, in denen immer mehr Menschen Microgreens in Innenräumen anbauen – sei es zu Hause, in vertikalen Farmen oder Hydrokultursystemen – ist es für uns als Microgreens-Gärtner unerlässlich, genau zu verstehen, wie Licht auf diese Pflanzen wirkt.
2. Warum werden LED-Lampen im Microgreens-Anbau verwendet?
Microgreens werden typischerweise in künstlichen, kontrollierten Umgebungen angebaut – künstliches Licht spielt dabei eine zentrale Rolle. LED-Lampen (Leuchtdioden) haben sich im Indoor-Anbau aus mehreren Gründen als besonders vorteilhaft erwiesen:
- Verfügbarkeit und Kosten
LEDs sind weit verbreitet und mittlerweile kostengünstig erhältlich.
- Benutzerfreundlichkeit und Optimierung
Sie lassen sich einfach bedienen und flexibel an unterschiedliche Anbauanforderungen anpassen.
- Energieeffizienz
LEDs verbrauchen deutlich weniger Energie als herkömmliche Lichtquellen.
- Lösungsansatz für Land- und Klimaprobleme
Durch den Einsatz von LEDs kann die Nahrungsmittelproduktion auf kleinem Raum intensiviert werden – unabhängig von Klima oder Jahreszeit. Das reduziert den ökologischen Fußabdruck und verbessert die Versorgungssicherheit.
- Optimierung von Ertrag und Qualität
LEDs ermöglichen es, das Wachstum und die Inhaltsstoffkonzentration gezielt zu steuern – für höhere Erträge und bessere Qualität der Microgreens.
Foto aus der Versuchsdokumentation ⬇️

3. Wie wurde das Experiment durchgeführt?
Durch die Wahl des richtigen LED-Lichts können sowohl Produktion als auch Qualität von Microgreens gezielt verbessert werden.
Obwohl einige Effekte verschiedener Lichtspektren bereits bekannt sind, gibt es bislang nur begrenzte Erkenntnisse darüber, wie unterschiedliche Pflanzenarten und Genotypen auf diese Spektren reagieren.
Ziel dieser Studie war es, die Auswirkungen von rotem, blauem und weißem LED-Licht auf das Wachstum und die Pigmentzusammensetzung von Microgreens zu untersuchen – einschließlich nicht-invasiver Messungen des Anthocyan- und Flavonoidgehalts.
Foto 1 aus der Versuchsdokumentation ⬇️

Bedingungen der Studie:
Die Studie wurde von Februar bis Juni 2023 am Institut für Pflanzen- und Umweltwissenschaften (IPES) der Slowakischen Agraruniversität in Nitra (SUA NITRA) durchgeführt – unter kontrollierten und dokumentierten Bedingungen:
- Temperatur: 20 °C nachts, 23 °C tagsüber
- Luftfeuchtigkeit:60–80%
- Lichtregime: 14 Stunden Licht / 10 Stunden Dunkelheit
Jede Charge desselben Saatguts wurde in separate Versuchsgruppen aufgeteilt und mit unterschiedlichen Lichtquellen behandelt. Verwendet wurde Saatgut von MP SEEDS.
Drei LED-Lichttypen kamen zum Einsatz:
- Polychromatische warmweiße LEDs
- Monochromatische rote LEDs (Spitzenemission bei 660 nm)
- Monochromatische blaue LEDs (Spitzenemission bei 470 nm)
Die Lichtintensität wurde in allen Kompartimenten auf eine vergleichbare Energieabgabe eingestellt (~60 W/m²). Dies entsprach einer photosynthetisch aktiven Photonenflussdichte (PPFD) von:
- Ca. 160 μmol/m²/s bei blauem Licht
- Ca. 175 μmol/m²/s bei weißem Licht
- Bis zu 200 μmol/m²/s bei rotem Licht
Foto 2 aus der Versuchsdokumentation ⬇️

Untersuchte Microgreen-Sorten
- Amaranth
- Kohl
- Kohlrabi
- Rucola
- Salat
- Kresse
- Radieschen (Roter Rambo)
- Radieschen (Rose)
- Senf
- Spinat
- Bockshornklee
- Pak Choi
- Mizuna
- Komatsuna
- Grünkohl
- Brokkoli
- Rote Bete
- Gelbe Bete
- Italienisches Basilikum
- Rotes Basilikum (Opal)
- Zwiebel
Was wurde im Experiment an Microgreens gemessen?
Frisch- und Trockengewicht:
Am Ende jedes Wachstumszyklus wurden Proben einzelner Pflanzen entnommen und sofort das Frischgewicht bestimmt.
Anschließend wurden die Proben in Papiertüten verpackt und zwei Tage lang bei 75 °C im Trockenschrank getrocknet – bis das Gewicht konstant blieb. Danach wurde das Trockengewicht gemessen.
Pigmentbestimmung:
Aus jedem Topf mit Microgreens wurden Proben entnommen, gewogen, in Beutel verpackt, eingefroren und bei –81 °C in einem Tiefkühlschrank gelagert. Anschließend wurden die Proben extrahiert und homogenisiert.
Die Mischung wurde mit 80 % Aceton verdünnt, in Röhrchen mit konischem Boden gefüllt und zentrifugiert. Die Absorption wurde mit einem Spektralphotometer gemessen, und daraus der Chlorophyll- sowie Carotinoidgehalt berechnet.
Mit einem multispektralen Fluorimeter gemessene Parameter:
Die Chlorophyll-, Flavonoid- und Anthocyanfluoreszenz wurde direkt an der Pflanzenspitze gemessen – berührungslos. Dabei wurden drei Fluoreszenzanregungsverhältnisse (FERs) wie folgt berechnet:
Kurze Übersetzung aus der Fachsprache in die Fachsprache der Landwirte (für später benötigt):
- FERR/UV = FR ÷ FUV
- FR ist die Fluoreszenzintensität nach Rotlicht, FUV nach UV-Licht.
- Dieses Verhältnis gibt den Flavonoidgehalt an.
- FERR/G = FR ÷ FG
- FR ist die Fluoreszenzintensität nach Rotlicht, FG nach Grünlicht.
- Dieses Verhältnis gibt den Anthocyangehalt an.
- Einzelfluoreszenzverhältnis (SFR) = F735 ÷ F685
- F735 ist die Fluoreszenzintensität nach Blaulicht im fernroten Bereich, F685 im roten Bereich.
- Dieses Verhältnis gibt die Chlorophyllkonzentration an der Oberfläche an.
4. Diagramme mit allgemeinen Ergebnissen
In den Diagrammen steht jeder Punkt (x) für den Mittelwert, die Linie für den Median, und die Ränder der Box zeigen das erste und dritte Quartil an. Die Punkte veranschaulichen die Verteilung der Gesamtwerte.
In den folgenden Kapiteln werden wir subjektive Schlussfolgerungen und praxisnahe Beispiele diskutieren, die für uns als Microgreener relevant sind und direkt auf Microgreens-Farmen angewendet werden können.
Wie verschiedene LED-Lichtfarben Microgreens beeinflussen – Tabelle mit Ergebnissen
Quelle: Studie von Lucia Jasenovska ⬇️

Der Einfluss verschiedener Lichtspektren auf diverse Parameter bei allen untersuchten Arten und Genotypen:
(A) Frischgewicht (FW) einzelner Pflanzen
(B) Gesamtchlorophyllgehalt in Blättern
(C) Gesamtcarotinoidgehalt in Blättern
(D) Fluoreszenzanregungsverhältnis R/UV (FERR/UV) – Indikator für den Flavonoidgehalt
(E) Fluoreszenzanregungsverhältnis R/G (FERR/G) – Indikator für den Anthocyangehalt
(F) Einfaches Fluoreszenzverhältnis (SFR) – Hinweis auf die Chlorophyllkonzentration an der Blattoberfläche
5. Einfluss von weißem, blauem und rotem Licht auf das Frischgewicht von Microgreens

Der Frischgewichtsindikator ist im Microgreens-Geschäft von zentraler Bedeutung, da er direkt bestimmt, wie viel wir ernten, bepreisen und letztlich verkaufen können.
Die Diagramme zeigen deutlich: Microgreens, die unter Weißlicht angebaut wurden, erzielten das höchste Frischgewicht, gefolgt von solchen unter Rotlicht. Microgreens unter Blaulicht wiesen das geringste Gewicht auf.
Konkrete Beispiele aus dem Experiment:
- Amaranth-Microgreens, die unter Blaulicht angebaut wurden, wogen fast fünfmal weniger als unter Weißlicht.
(Blau: 0,510 g, Rot: 1,450 g, Weiß: 2,440 g)
- Radieschen-Microgreens erzielten unter Weißlicht mehr als das Doppelte des Gewichts im Vergleich zu Blaulicht.
(Weiß: 5,330 g, Blau: 2,430 g)
- Kresse-Microgreens wuchsen unter Weißlicht am kräftigsten, unter Blaulicht am schwächsten. Rotlicht zeigte ebenfalls gute, aber weniger eindrucksvolle Ergebnisse.
(Weiß: 3,0 g, Blau: 0,660 g, Rot: 1,830 g)
- Pak Choi-Mikrokräuter, die unter rotem und weißem Licht angebaut wurden, hatten nahezu das gleiche Gewicht, während sie unter blauem Licht deutlich weniger entwickelten.
(Weiß: 2,0 g, Blau: 1,300 g, Rot: 1,990 g)
Zusammenfassend - welches Licht für Microgreens?
- Weißes LED-Licht erzeugt im Allgemeinen die schwersten Microgreens und ist daher die beste Wahl für maximale Erträge und Rentabilität.
- Blaues LED-Licht hingegen fördert die „höhere Qualität“ der Microgreens in Bezug auf den Nährwert, verlangsamt jedoch das Wachstum.
Diese Informationen sind wertvoll, um die Wachstumsbedingungen gezielt zu optimieren und so die bestmögliche Ernte sowie den höchsten Marktwert zu erzielen.
Flavonoide und Anthocyane sind natürliche Verbindungen, die in Pflanzen – einschließlich Microgreens – vorkommen und eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. Ihre Konzentration kann heute wie auch zukünftig ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein, insbesondere da der Microgreens-Markt zunehmend gesättigt ist. Diese Konzentration lässt sich durch die Farbe der verwendeten LED-Lampen beim Anbau gezielt beeinflussen.
Was sind Flavonoide und Anthocyane – und warum sind sie wichtig für die menschliche Gesundheit und den Microgreens-Anbau?
Flavonoide:
- sind Antioxidantien, die häufig in Obst, Gemüse und Kräutern vorkommen.
- Sie schützen Pflanzen vor Umweltstress und wirken auch im menschlichen Körper gesundheitsfördernd.
- Flavonoide besitzen entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften, die das Risiko chronischer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder neurodegenerativer Leiden senken können.
- Darüber hinaus unterstützen sie das Immunsystem und tragen zur allgemeinen Gesundheit bei.
Anthocyane:
- sind eine Untergruppe der Flavonoide und verantwortlich für die rote, violette oder blaue Färbung vieler Obst- und Gemüsesorten.
- Sie wirken als starke Antioxidantien und schützen Zellen vor Schäden durch freie Radikale.
- Anthocyane werden mit einer verbesserten Herz-Kreislauf-Gesundheit, gesteigerter kognitiver Leistung sowie entzündungshemmenden Effekten in Verbindung gebracht.
- Zudem können sie die Augengesundheit fördern und zur Regulierung des Blutzuckerspiegels beitragen.
Bei Microgreens handelt es sich – bedingt durch ihre junge, zarte Entwicklungsphase – um besonders nährstoffreiche Pflanzen. Früh geerntete Microgreens enthalten in der Regel höhere Mengen an Flavonoiden und Anthocyanen als ausgewachsene Pflanzen. Genau das macht sie so gesund.
Die Konzentration dieser Substanzen spielt eine zentrale Rolle in der urbanen Landwirtschaft – insbesondere, wenn es darum geht, einen gesunden Lebensstil zu fördern und gesundheitsbewusste Kundinnen und Kunden gezielt zu informieren.
Wie beeinflussen LED-Lampenfarben die Flavonoidkonzentration in Microgreens?
Es ist wissenschaftlich belegt, dass Lichtart und -farbe den Gehalt an Anthocyanen und Flavonoiden in Microgreens signifikant beeinflussen. Frühere Studien dokumentierten beispielsweise einen Anstieg des Phenolgehalts unter blauer LED-Beleuchtung bei Chinakohl und Buchweizensprossen.
Blaues Licht hat den stärksten positiven Effekt auf die Flavonoidkonzentration – gefolgt von weißem Licht, während rotes Licht den geringsten Einfluss zeigt.
Konkrete Beispiele aus dem Experiment:
- Mizuna: Höchste Flavonoidkonzentration unter blauem Licht (1,370 g) im Vergleich zu rotem (1,590 g) und weißem Licht (1,580 g)
- Grünkohl: Flavonoidgehalt unter weißem Licht (1,090 g) am höchsten, gefolgt von rotem Licht (1,070 g) und blauem Licht (0,990 g).
- Amaranth: Flavonoidgehalt unter weißem Licht (1,090 g) am höchsten, gefolgt von rotem Licht (1,070 g) und blauem Licht (0,990 g).
- Beet Red: Höchster Gehalt unter rotem Licht (1,240 g), gefolgt von weißem (1,220 g) und blauem Licht (1,060 g).
- Kohlrote Microgreens: Der Flavonoidgehalt ist am höchsten unter weißem Licht (1,230 g), gefolgt von blauem (1,140 g) und rotem Licht (1,050 g).
Variationen zwischen den Arten im Experiment:
Die meisten Microgreens zeigten unter blauem Licht höhere Flavonoidwerte als unter rotem oder weißem Licht.
Bei einigen Arten wie Salat, Grünkohl und Rüben reichte weißes Licht mit einem Blauanteil aus, um den Flavonoidgehalt zu erreichen, der auch unter rein blauem Licht beobachtet wurde.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass blaues Licht den Flavonoidgehalt in Microgreens im Allgemeinen effektiver erhöht als rotes oder weißes Licht – auch wenn einige Arten unterschiedlich darauf reagieren.
Unserer Einschätzung nach sind die Unterschiede zwischen weißem und blauem Licht nicht gravierend. Daher empfiehlt sich der Einsatz von weißen LED-Lampen mit blauem Zusatz oder von weißen Lampen, da diese zudem das Gewicht der Microgreens verbessern.
Wie beeinflussen die Farben von LED-Lampen die Anthocyankonzentration in Microgreens?
Die Lichtqualität beeinflusst den Anthocyangehalt – ähnlich wie bei Flavonoiden –, allerdings zeigen sich dabei einige spezifische Reaktionen.
Blaues Licht erhöht im Allgemeinen die Anthocyankonzentration in grünblättrigen Microgreens. Dieser Anstieg steht in Zusammenhang mit der Aktivierung von Blaulichtrezeptoren in den Pflanzen.
Die Reaktion rotblättriger Arten auf unterschiedliche Lichtspektren fällt hingegen deutlich variabler aus als bei grünblättrigen Arten.
Konkrete Beispiele aus dem Experiment:
- Amaranth (rotblättrig): Die Anthocyankonzentration variiert deutlich je nach Lichtbedingung:
- unter rotem Licht: 1,950 g
- unter blauem Licht: 2,480 g
- unter weißem Licht_ 1,240 g.
- Andere rotblättrige Arten: Zeigten nur einen minimalen Einfluss der Lichtspektren auf den Anthocyangehalt.
- Grünblättrige Arten: Blaues Licht führte im Allgemeinen zu einer Erhöhung des Anthocyangehalts. Eine Ausnahme bildete Senf, bei dem kein Anstieg unter blauem Licht festgestellt wurde.
- Radieschen, Zwiebeln und Brokkoli: Reagierten nicht signifikant auf unterschiedliche Lichtspektren in Bezug auf den Anthocyangehalt.
- Mizuna und Rotes Basilikum (rotblättrig): Zeigten unter blauem Licht keinen erwartungsgemäßen Anstieg der Anthocyane. Dieses unerwartete Verhalten erfordert weitere Untersuchungen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass blaues Licht den Anthocyangehalt in grünblättrigen Microgreens im Allgemeinen erhöht, während die Reaktion rotblättriger Arten uneinheitlich ausfällt und weitergehender Untersuchungen bedarf.
7. Einfluss der LED-Lichfarben auf die Konzentration von Farbstoffen, Chlorophyll und Carotinoiden
Chlorophyllgehalt in Microgreens unter verschiedenen LED-Lichtfarben
Die Farbe des LED-Lichts beeinflusst die Konzentration von Chlorophyll und Carotinoiden in Microgreens signifikant. Blaues und weißes Licht führen zu einem höheren Gehalt an Chlorophyll und Carotinoiden im Vergleich zu rotem Licht.
Blaues Licht aktiviert besonders effektiv Gene, die an der Chlorophyllbiosynthese beteiligt sind. Im Gegensatz dazu kann rotes Licht bei hoher Intensität die Konzentration von Chlorophyllvorläufern verringern, was sich negativ auf die Bildung von Chlorophyll auswirken kann.

Konkrete Beispiele aus dem Experiment
- Mizuna: Unter blauem (0,800 g) und weißem Licht (0,800 g) wurden nahezu identische Chlorophyllwerte gemessen, die geringfügig über denen unter rotem Licht (0,780 g) lagen.
- Grünkohl: Die höchste Chlorophyllkonzentration trat unter rotem Licht (0,590 g) auf. Unter blauem (0,430 g) und weißem Licht (0,570 g) waren die Werte niedriger.
- Amaranth: Die höchste Chlorophyllkonzentration wurde unter weißem Licht gemessen (1,810 g). Unter blauem Licht betrug der Wert 1,150 g, unter rotem Licht 1,340 g.
- Beet Red: Die Chlorophyllkonzentration blieb über alle Lichtbedingungen hinweg relativ konstant. Unter weißem Licht lag sie bei 0,138 g, unter blauem bei 0,111 g und unter rotem bei 0,134 g.
- Kohlrot: Unter blauem (0,800 g) und weißem Licht (0,850 g) wurden nahezu identische Chlorophyllwerte festgestellt. Unter rotem Licht lag der Wert deutlich niedriger (0,610 g).
Foto mit Vergleich des Anbaus derselben Sorten unter unterschiedlichem Licht (Kohlrot) ⬇️

Carotinoidkonzentration in Microgreens nach Verwendung unterschiedlicher LED-Lampenfarben
Der Carotinoidgehalt in Microgreens folgt ähnlichen Trends wie der Chlorophyllgehalt. Blaues Licht wirkt sich in der Regel positiv auf die Carotinoidkonzentration aus, wie am Beispiel von Salat deutlich wird, bei dem unter blauem Licht eine verstärkte Carotinoidansammlung beobachtet wurde.
Allerdings reagieren verschiedene Pflanzenarten unterschiedlich auf die Lichtqualität. So zeigte beispielsweise Spinat unter blauem Licht keinen vergleichbaren Zuwachs an Carotinoiden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der sogenannte Verdünnungseffekt: Unter weißem und rotem Licht kann es durch das beschleunigte Wachstum der Biomasse zu einer relativen Abnahme der Pigmentkonzentration kommen, da die Synthese von Carotinoiden nicht im gleichen Maß mit dem Biomassezuwachs Schritt hält.
Die Wahl der LED-Lichtfarbe hat einen entscheidenden Einfluss auf die Konzentration von Carotinoiden (und auch Chlorophyll) in Microgreens. Blaues Licht zeigt im Allgemeinen den stärksten stimulierenden Effekt, wenngleich die Wirkung stark von der jeweiligen Pflanzenart abhängt.
Foto mit Vergleich des Anbaus derselben Sorten unter unterschiedlichem Licht (Amaranth und Senfroter Riese)⬇️
8. Fazit - kann man Microgreens mit den
- Die Ergebnisse dieser Studie belegen eindeutig, dass das Lichtspektrum einen signifikanten Einfluss auf das Wachstum und den Pigmentgehalt von Microgreens hat.
- Die Versuche mit 21 Genotypen unter rotem, blauem und weißem LED-Licht zeigten, dass weißes Licht im Allgemeinen zu einem höheren Frischgewicht führte als monochromatisches Licht – insbesondere im Vergleich zu blauem Licht.
- Weiße LED-Lampen förderten das beste Wachstum und wirkten sich positiv auf die meisten gemessenen Parameter bei verschiedenen Arten aus. Dies unterstreicht den Vorteil breitbandiger Weißlicht-LEDs gegenüber monochromatischen Lichtquellen.
- Einzelne Arten zeigten jedoch spezifische Präferenzen für bestimmte Lichtfarben:
Blaues Licht: besonders vorteilhaft für Basilikum-Genotypen, Mizuna und Grünkohl
Rotes Licht: günstiger für Senf und Pak Choi
Die Studie bestätigt, dass sich durch die gezielte Manipulation des Lichtspektrums sowohl die Quantität als auch die Qualität von Microgreens gezielt steigern lassen – insbesondere im Hinblick auf den Flavonoid- und Anthocyangehalt. Da diese Reaktionen stark vom Genotyp abhängen, sollten die Lichtbedingungen art- bzw. genotypspezifisch optimiert werden.
- Die meisten getesteten Arten zeigten unter blauem und weißem Licht höhere Konzentrationen von Chlorophyll und Carotinoiden als unter rotem Licht.
- Insbesondere blaues Licht erwies sich als wirksam bei der Anreicherung von Flavonoiden und Anthocyanen, führte jedoch in einigen Fällen zu einem reduzierten Wachstum der Pflanzen.
- Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass multispektrale Weißlicht-LEDs sowohl das Wachstum als auch die Pigmentbildung in Microgreens insgesamt am besten fördern.
- Blaues Licht steigerte gezielt die qualitativen Merkmale, insbesondere sekundäre Pflanzenstoffe, konnte jedoch wachstumshemmende Effekte haben.
- Diese Ergebnisse verdeutlichen die Bedeutung einer gezielten Lichtsteuerung, um sowohl die Produktivität als auch den Nährwert von Microgreens durch optimierte Lichtspektren nachhaltig zu verbessern.
Wenn Sie Interesse am Originalartikel haben, stellen wir Ihnen den Link gerne zur Verfügung – sprechen Sie uns einfach an.